Als werdende Mutti läuft man ja meist eh nur noch grinsend wie ein Honigkuchenpferd durch die Gegend. Völlig verstrahlt durch die Mutterfreuden denkt man nur noch an sein Kind. Doch das ändert sich meist, wenn die ersten sagen: “Du darfst doch kein Mettbrötchen essen“. Auch das beliebte Steak medium ist ab sofort tabu. Aber warum ist das denn so?

Der Grund heißt Toxoplasma, um genau zu sein Toxoplasma gondii. Denn jeder nennenswerte Störenfried hat ja auch einen Nachnamen. Neben Listeriose ist Toxoplasmose in der Schwangerschaft gefürchtet wie ein fieser Schurke aus einem Film.

Wer genau ist denn Herr Toxoplasma gondii?

Herr Gondii trägt die Berufsbezeichnung „Parasit“. Sein Auftrag lautet: befalle einen Menschen oder ein Tier und nutze deren Zellen um dich zu vermehren. Und genau diesen Auftrag führt auch aus. Laut dem Robert-Koch-Institut waren circa 30% der Menschen bereits Gastgeber für diesen Parasiten. Je älter ein Mensch wird, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit mit Toxoplasma gondii in Kontakt zu kommen. Einmal in Kontakt gekommen bildet der Körper aber dann Abwehrstoffe. Ungebetene Gäste bekommen damit Hausverbot.

Ein ewiges Verhältnis

So mancher hat das Pech, dass der Parasit sich versteckt irgendwo einnistet. Besonders gerne im Gehirn oder Muskeln in Zysten. Man nennt dies dann auf schlau latent persistierende Toxoplasmose.

Woher kommt der Parasit und wie gelangt er in den Körper?

An alle Katzenmamis: Ihr müsst jetzt ganz stark sein. Toxoplasma ist oft ein Geschenk vom geliebten Stubentiger. Die Katze kann es über rohen Fleisch oder ein infiziertes Mäuschen aufgenommen haben. Auch über ungewaschenes Obst und Gemüse gelangen die kleinen Monster in den Körper. In Gartenerde oder auch Sand finden sich die Eier von Toxoplasma gondii, welche nur darauf warten in einem Gasthaus namens Mensch oder Tier heranzureifen. Und last but not least: rohe Fleischprodukte. All das sind quasi Taxis zum Zielort Mensch.

Es gibt jedoch noch einen Sonderbus: Die Linie Organtransplantation kann auch Toxoplasmose mit sich bringen.

Nun denkst du dir sicherlich: Oh mein Gott, im Gehirn und Parasit. Er lauert überall. Was mach ich denn jetzt? Muss ich sterben? Frisst der Parasit sich durch mein Hirn? Kann ich überhaupt noch vor die Tür gehen? Muss ich meine Katze abgeben?

Zum wichtigsten Teil zuerst: Ist Toxoplasma gondii gefährlich?

Ist ein Körper befallen von Herrn Gondii so nennt man das Toxoplasmose. Für einen gesunden Menschen ist der Parasit nicht gefährlich. Bei immungeschwächten Personen jedoch kann Toxoplasmose Auswirkungen haben. Auch bei einem ungeborenen Kind sorgt Toxoplasma gondii nicht für Freude und kann dem Kind Schaden zufügen.

Das sind die Symptome einer Toxoplasmose

Infiziert sich ein gesunder Mensch so verläuft es in 80 bis 90% der Fälle ohne Symptome. Die anderen 10 bis 20% haben grippeähnliche Symptome. Selten, dass es zu einer Entzündung der grauen Zellen, also dem Gehirn kommt. Ab und an kann es auch vorkommen, dass die Netz- und Aderhaut des Auges betroffen sind und sich entzünden.

Bei den immungeschwächten Personen sieht das wieder anders aus. Hier kommt es meist zu einer speziellen Form der Lungenentzündung, einer sogenannten interstitiellen Pneumonie. Sollten immungeschwächte Menschen schon mal infiziert gewesen sein, so besteht die Gefahr einer Reaktivierung des Parasiten. Dabei kann es dann zu einer Enzephalitis kommen.

Toxoplasmose und Schwangerschaft

Zunächst einmal lässt sich sagen, dass 35 bis 40% aller Kugelträgerinnen bereits mit Toxoplasmose irgendwann mal in all den Jahren in Kontakt gekommen sind und nun Immunität besitzen.

Sollte sich eine noch Toxoplasmose-Jungfrau im Laufe der Schwangerschaft infizieren so steigt mit fortschreitender Schwangerschaft die Wahrscheinlichkeit den Erreger an das Kind zu übertragen. Im ersten Trimester liegt die Wahrscheinlichkeit bei circa 15%, im zweiten bei 25% und im letzten Schwangerschaftsdrittel bei circa 60%.

Jetzt mach dich aber nicht verrückt denn es gibt Entwarnung.

Auch wenn die Wahrscheinlichkeit der Übertragung an das Kind mit fortschreitender Schwangerschaft steigt, so sinkt aber die Gefahr, dass das Kind Folgeschäden erleidet.

Die gefährlichste Zeit für das Kind ist, wenn es sich in der Frühschwangerschaft infiziert. Es kann hierbei zu neurologischen Störungen und schwerer Beeinträchtigung des Hörens und Sehens kommen. Im schlimmsten Falle kommt es zu einer Fehlgeburt.

Schäden beim Baby

Jährlich kommen schätzungsweise 1500 Kinder mit Schäden durch Toxoplasmose zur Welt. Bei rund 737.000 Geburten jährlich in Deutschland sind das gerade mal 0,002% aller Geburten.

Hab ich bereits Toxoplasma in mir?

Um den Parasiten zu entlarven reicht eine Blutuntersuchung. Hierbei wird nach Antikörpern gesucht. Der Körper ist ja nicht doof, er merkt ja, wenn da ein ungebetener Gast ist und baut Security aka Antikörper auf um ihn zu eliminieren.

In diesen Abständen sollte die werdene Mama nach Toxoplasma gescannt werden

Empfohlen wird einmal in der Frühschwangerschaft, da hier eine Infektion am gefährlichsten für das Kind wäre und danach alle 8 Wochen.

Was kann man tun, wenn man sich als Schwangere infiziert hat?

Sollte man sich als Schwangere diesen Herrn Gondii ins Haus geholt haben, so bekommt man ein Antibiotikum vom Arzt des Vertrauens verschrieben. Für das ungeborene Glück sind dies bezüglich keine Risiken bekannt, da das Antibiotikum nicht über die Plazenta an das Kind weitergegeben wird.

Ohne Schwangerschaft bedarf es bei einem gesunden Menschen keinerlei Behandlung, es sei denn die Augen sind betroffen.

Wie kann man sich und sein Kind schützen?

Sollte man nun in Besitz eines Schmusekätzchens sein gelten folgende Vorsichtsmaßnahmen:

  • Möglichst einen großen Bogen um das Katzenklo machen. Das heißt reinigen sollte während der Schwangerschaft jemand anders
  • Katzentoilette mit heißen Wasser täglich reinigen
  • Kein Frischfleisch an die Katze verfüttern. Auch die edelste Fellnase kann mal auf Dose umsteigen
  • Liebe Katzenküsschen vermeiden und immer gründlich die Hände waschen nach Kuschelzeit

Haus und Garten

Da es unter den Katzen auch Freigänger gibt, so wird man überall kleine Hinterlassenschaften der Fellnasen finden. Und da Katzen gerne ihre Geschäfte anschließend verbuddeln, sollte der direkte Kontakt mit Erde oder Sand vermieden werden. Gartenarbeit empfiehlt sich daher mit Handschuhen zu verrichten. Auch hier gilt: Hände waschen ist das A und O. Denn die Eier von Toxoplasma gondii können Monatelang in Sand und Erde überleben

Mettbrötchen und Steak Adé

Da auch Kühe und Schweine einiges fressen, was sich so draußen findet könnten auch sie infiziert sein. Daher weder Schweine noch Rindfleisch roh oder unzureichend erhitzt essen.

Auch Gemüse und Obst sollte immer gründlich abgewaschen werden, bevor man es sich munden lässt.

Jetzt bist du vollstens informiert zum Thema Toxoplasmose. An sich harmlos, aber in der Schwangerschaft ist ja bekanntlich eh alles anders. Also mach dir keine Sorgen, die Wahrscheinlichkeit, dass dir oder deinem Baby etwas passiert ist sehr gering und die Vorsichtsmaßnahmen reichlich und sehr simpel. Es kann also quasi kaum etwas schiefgehen.

Ob eine werdende Mutti sich an alle Ratschläge zur Vermeidung einer Infektion hält bleibt ihr überlassen.