Es kommt oft ohne Vorwarnung und auch merkt man als werdende Mama nicht wirklich etwas davon ihm. Dennoch sollte er behandelt werden: der Schwangerschafts- oder auch Gestationsdiabetes. In Fachkreisen auch als Diabetes mellitus Typ 4 bekannt.

Zwar sind nur weniger als 10 % aller Schwangeren eine solch zuckersüße werdende Mutter, dennoch zählt sie mit zu den häufigsten Schwangerschaftserkrankungen.

Was ist das und woher kommt es her?

Bei einem Schwangerschaftsdiabetes handelt es sich um eine Glucose-Toleranzstörung, welche in der Schwangerschaft auftritt. Warum es dazu kommt, da gibt es nicht nur einen Grund. Eine Ursache ist, wie könnte es denn auch anders sein – die guten alten Hormone.

Na kannst du das Wort Hormone noch hören? Sie sind für die vielen unangenehmen Dinge in der Schwangerschaft verantwortlich, aber auch enorm wichtig, denn ohne sie gäbe es da keinen kleinen Wurm in deinem Bauch. Und für den kleinen Wurm nimmt man den Rest gerne in Kauf.

Wie ist das denn nun genau mit den Hormonen? Es ist relativ einfach: In der Schwangerschaft werden Hormone wie Östrogen und humanes Plazentalaktogen ausgeschüttet, welche zu einer Erhöhung des Blutzuckerspiegels führen.

Zu Beginn der Schwangerschaft ist die Insulinausschüttung vermindert, steigt dann aber erheblich an. Deshalb wird auch erst in der 2. Halbzeit auf Gestationsdiabetes getestet. In der Regel verschwindet dieser Begleiter aber auch nach der Schwangerschaft wieder.

Wen trifft die zuckersüße Erkrankung?

Wer bekommt denn so eine extrasüße Portion? Nun ja, es gibt einige Risikofaktoren, welche einen Gestationsdiabetes begünstigen.

  • Zum einen sind das Frauen über 30 Jahre. Aber Frauen werden ja Gott sei Dank maximal 29. Danach folgen ja bekannter weise 29a, b und so weiter.
  • Auch Frauen mit etwas mehr auf den Hüften neigen zu Diabetes. Mit mehr auf den Hüften ist aber auch erst ab einem BMI von 27 aufwärts die Rede. Es geht nicht um die normalen weiblichen Rundungen.
  • Sollte die Frau in anderen Umständen vorher schon einen Diabetes Typ 1 oder 2 haben erklärt sich das natürlich von alleine.
  • Frauen, die massiv zunehmen in der Schwangerschaft aufgrund ihrer Essgewohnheiten sind auch gefährdet. Ganz wichtig ist, dass du dir im Klaren darüber bist, dass dieser tolle Spruch „Du musst ja nun für 2 essen“ absoluter Humbug ist. Ernähre dich ausgewogen und gesund. Aber iss nicht die doppelte Portion. Das musst du nämlich gar nicht.
  • Gab es in einer vorhergegangenen Schwangerschaft bereits Zuckerprobleme, so ist das Risiko erneut diesen Begleiter zu haben erhöht. Auch Frauen mit 3 oder mehr Fehlgeburten unbekannter Ursache in der Vorgeschichte sind häufiger betroffen.
  • Auch Mamis, die eine sehr große Portion Glück in der Vergangenheit zur Welt gebracht haben könnten an Schwangerschaftsdiabetes erkranken. Wenn das große Glück denn 4500 Gramm oder mehr gewogen hat.

Wodurch macht sich Diabetes bemerkbar?

Wie bereits erwähnt merken viele Frauen gar nichts von dieser kleinen Problematik. Einige trinken jedoch wie Kamele, weil sie ein unendliches Durstgefühl haben, bei manchen ist sogar der Urin zuckersüß. Aber da wir ja nicht mehr im Mittelalter leben, wo man tatsächlich noch den Urin probiert hat um eine Zuckerkrankheit zu diagnostizieren, wird alles einfach mit einem Teststreifen getestet.

Aspekte wie Veränderungen der Fruchtwassermenge oder Wachstumsstörungen des Föten können auch vorkommen und ein Indiz für ein Zuckerproblemchen sein.

Die Behandlung ist meist sehr einfach, da in 85% der Fälle eine Ernährungsumstellung reicht. Die anderen 15% müssen mit ein wenig Insulin nachhelfen.

Folgen für Mutter und Kind

Die wichtigste Frage, die sich die Kugelträgerin bei der Diagnose Gestationsdiabetes stellt ist natürlich, welche Folgen hat es für Mama und Kind.

Fakt ist: das Baby reagiert ja auf Muttis süßes Blut, also wird fleißig vom Baby Insulinproduziert. Dies führt dazu, dass der Zucker in Fett umgewandelt und vom Baby gebunkert wird. Daher kann es sein, dass das Baby bei der Geburt ein großer Wonneproppen ist. Es muss aber nicht so sein. Denn meist werden Schwanger entweder durch Ernährung oder Insulin so gut eingestellt, dass dies nicht passiert. Sollte das Kind dann doch sehr groß und sehr schwer sein, kann das natürlich sehr schwer werden im engen Geburtskanal. Aber auch für solche Probleme gibt es immer eine Lösung.

Logischerweise produziert das Baby bis zur Geburt vermehrt Insulin. Das Problem ist aber, dass nach dem Abnabeln erstmal nichts Zuckersüßes mehr ankommt. Um zu verhindern, dass das Kind dann auf Zuckerentzug ist und unterzuckert, ist es wichtig es spätestens 30 Minuten nach der Entbindung mit einem Willkommenssnack zu versorgen.

Auch lässt sich oft eine erhöhte Fruchtwassermenge beobachten. Aber wo kommt denn das ganze Wasser her? Auch das ist recht simpel. Um den überschüssigen Zucker aus dem Körper zu spülen, produziert das Kind mehr Urin. Und auch wenn es für Erwachsene eklig klingt, aber das Baby pinkelt ja in seine Fruchtblase. Somit ist auch mehr Fruchtwasser vorhanden. Es kann durch die erhöhte Menge Fruchtwasser in seltenen Fällen auch zu einer Frühgeburt kommen.

In einigen Fällen ist durch den Diabetes auch die Durchblutung der Plazenta ein wenig gehindert. Da die Plazenta wichtig ist für den Sauerstofftransport, löst das Baby das Problem in dem es mehr Hämoglobin bildet um die Sauerstoffversorgung zu gewährleisten. Das Problem besteht nun darin, dass nach der Geburt so viel fetales Hämoglobin da ist, dass die Leber mit dem Abbau nicht nachkommt und das Kind eine Neugeborenengelbsucht entwickeln kann.

Jetzt atme tief durch, denn auch wenn alles wieder ganz fatal klingt, so ist es nicht schlimm, wenn man Zuckerprobleme hat. Die Kinder sind, auch wenn sie eventuell schwerer sind als andere, dennoch gesund. Und das Zuckerproblem löst sich auch bei den Babys nach der Geburt meist von alleine.

Ein Vorteil von Schwangerschaftsdiabetes ist, dass wenn er früh erkannt wird er wunderbar behandelbar ist.

Sichere Diagnosestellung

Wodurch verrät sich denn nun diese Begleiterscheinung? Es gibt hierzu nicht nur den Test, ob sich Glukose im Urin befindet, denn der ist sehr ungenau, sondern es gibt 2 verschiedene Testverfahren.

Es gibt einen Vortest. Der dauert circa 60 Minuten. Man bekommt vom Arzt des Vertrauens 50 Gramm Glukoselösung zu trinken. Für die jenigen, die es gerne süß mögen ist das wunderbar, alle anderen müssen da durch. Es ist ein Glas voll, also durchaus machbar. Nach eine Stunde wird dann der Blutzucker gemessen. Sollte der Wert höher als 135 mg/dl sein, so wird der große orale Glukosetoleranztest, kurz oGTT fällig. Der Vortest kann aber keine 100 %ige Sicherheit geben, und so fallen 15% der Schwangerschaftsdiabetikerinnen in diesem Test gar nicht auf.  Der Vortest wird durch die gesetzliche Krankenkasse getragen. Sollte man auf den großen Test bestehen, so kann es sein, dass man diesen selbst zahlen muss.

Wie läuft denn der große oGTT ab? Prinzipell ist er ähnlich wie der Vortest. Unterschied hier ist aber, dass man sich die Tage vor dem Test kohlenhydratreich ernähren soll, um die Bauchspeicheldrüse zu reizen. Am Tag des Tests muss man dann im Gegensatz zum Vortest nüchtern erscheinen. Nun wird der nüchterne Blutzucker gemessen. Dieser sollte nicht bei 92 mg/dl oder mehr liegen. Und jetzt wieder das Leckerchen für alle Süßfans. Diesmal sogar ganze 75 Gramm Glukose. Nach einer Stunde wird dann der Zucker gemessen und nach 2 Stunden. Nach einer Stunde sollte er kleiner als 180 mg/dl sein und nach der zweiten Stunde nicht die 153 mg/dl überschreiten. Sollte eines der Dinge der Fall sein, so ist Gestationsdiabetes diagnostiziert.

Es ist daher sehr wichtig auf gesunde Ernährung zu achten. Denn wie bereits erwähnt kann man bei einem Schwangerschaftsdiabetes in 85% der Fälle nur durch Ernährung das Gleichgewicht wiederherstellen.

Gesund essen und das nicht für 2

Unbedingt im Hinterkopf behalten: Auch, wenn die Mama nun noch wen mitversorgen muss, muss sie nicht für 2 futtern. Auch regelmäßige Bewegung schadet nicht. Und wenn die Heißhungerattacken da sind, einfach mal Disziplin beweisen und statt 5 Schokoriegeln nur einen essen. Auch wenn es für Mutter und Kind meist ungefährlich ist wenn die Mutter ein zuckersüßes Problem hat, kann man dem ja entgegenwirken.

Und wenn du ehrlich bist. Dein Baby wird auch ohne Diabetes zuckersüß das Licht der Welt erblicken. Erfreue dich dann doch lieber während der Schwangerschaft an süßen Ultraschallbildern und Bewegungen des Kindes als an einer Tafel Schokolade.