Positiv! Endlich schwanger! Auf geht es zum Arzt um das allererste Foto von dem kleinen Wunder in Augenschein zu nehmen. Und wie schön dieses kleine Gummibärchen da in seiner Blase schwimmt. Doch was ist das? Da schwimmt ja noch ein Bärchen. Zwillinge kommen eben selten allein.

Da waren es auf einmal 2 oder mehr. Mehrlingsschwangerschaften kommen nicht allzu häufig vor, aber es gibt sie durchaus. Unter Mehrlingen versteht man erst einmal alles was mehr ist als 1. Doch wie häufig kommt es zum mehrfachen Mutterglück auf einmal?

Zunächst einmal sind 98% aller Mehrlinge tatsächlich Zwillinge. Die Wahrscheinlichkeit doppeltes Glück zu haben liegt bei 1 bis 1,4%. Bei Drillingen sind es schon nur noch 0,009 bis 0,01%, bei Vierlingen 0,0002% und bei Fünflingen beinahe verschwindend gering bei 0,000002%.

Übrigens erhöht sich die Wahrscheinlichkeit ab dem 35. Lebensjahr der Mutter und ebenso bei hormonellen Helferchen. Hormone bewirken nämlich oft, dass mehr als nur eine Eizelle aus dem Stöckchen springt.

Woher weiß man denn, ob man Zwillinge erwartet?

Ob es nun eins oder doch vielleicht ein süßes Doppelpack ist, weiß man ganz sicher nur durch Ultraschall und wenn zwei verschiedene Herztöne hörbar sind. Wenn die Gebärmutter höher steht als normal kann das auch für eine kleine Bauch-WG sprechen. Ein übergroßer Bauchumfang oder das Gefühl im Bauch tanzt mehr als nur einer, können Hinweise sein. Sicher sind aber tatsächlich nur Herztöne und Ultraschall.

Warst du auch eine die diese 1 bis 1,4%ige Chance hatte und nun tatsächlich Zwillinge erwartet? Doch du musst wissen, Zwillinge sind nicht immer gleich Zwillinge. 

Zwillingsschwangerschaften unterscheiden sich in einigen Aspekten. Was jedem geläufig sein dürfte: eineiig (monozygotisch) und zweieiig (dizygotisch). Der Unterschied? Eineiige entwickeln sich aus einer Eizelle, was bedeutet, dass sie zu 100% identisch aussehen, also auch das gleiche Geschlecht haben. Zweieiig sind 2 Eizellen, es können also Junge und Mädel sein und sind auch völlig unterschiedlich.

Die spannendste Mehrlingsschwangerschaft ist wohl mit eineiigen Zwillingen. Was genau daran spannend ist? Nun ja, in wiefern sich die zwei Plazenta und auch Fruchthöhle teilen. Es gibt 4 Arten wie Plazenta und Fruchthöhle aufgeteilt werden können.

  1. Dichorial-diamniote Zwillinge: Das sind circa 70% der Zwillingsschwangerschaften. Hier hat jedes Würmchen sein eigenes Planschbecken und seine eigene Plazenta. Teilen? Außer der Gebärmutter hat hier jeder seinen eigenen Haushalt.
  1. Monochorial-diamniote Zwillinge: Mit fast 30% die zweithäufigste Form. Hier hat jeder zwar seine eigene Fruchtblase, aber beide haben denselben Futterlieferanten. Sprich sie teilen sich die Plazenta.
  1. Monochorial-monoamniote Zwillinge: Mit um die 1% eher selten. Hier teilen die Babys wirklich alles. Fruchthöhle und Plazenta. Es gibt keine Trennung zwischen den beiden.
  1. Monochorial-monoamniote-siamesische Zwillinge: die Wahrscheinlichkeit, dass Zwillinge wirklich die engste Verbindung haben liegt bei 1:300. Hier trennen sich die Embryonen nicht voneinander und sind an einer oder mehreren Körperstellen miteinander verbunden. Auch Fruchthöhle und Plazenta werde natürlich geteilt.

Das sind die verschiedenen Arten von Zwillingsschwangerschaften. Doch wie verläuft so eine Schwangerschaft mit 2 Bauchzwergen?

Zunächst einmal wollen Zwillinge meistens keine 40 Wochen die kleine Wohnung in der Bauchgasse bewohnen, also heißt es im Schnitt: „Hiermit kündige ich fristgerecht zur 37. Woche“. Da Zwillinge meist ja leichter sind, als ein Baby, dass die Kugel für sich alleine hatte, sollte man auch ein passendes Krankenhaus finden. Passend heißt in diesem Falle, am besten mit einem perinatal oder neonatologischen Zentrum dabei, welche auch im Umgang mit den kleinsten Kämpfern erprobt sind.

Auch Mehrlinge können normal zur Welt kommen!

Auch Zwillinge können den konventionellen Weg zum Licht der Welt nehmen, jedoch nur wenn eines der Würmchen bereits in Kopflage liegt. Sind es mehr als 2 wird immer zu einem Kaiserschnitt geraten, was aber natürlich kein Muss ist. Entscheiden tut das natürlich die Mutter.

Sind die Risiken und Komplikationen die gleichen, wie bei einem einzelnen Sprössling?

Bei einem Kind ist der Bauch ja schon voller als voll, und bei zweien ist die Plautze unfassbar riesig. Mehr Kind im Bauch, mehr Wehwehchen. So kommt es häufiger zu einer massiven Schwangerschaftsübelkeit, quasi Kotzen bis der Arzt kommt. Auch Verdauungsprobleme sind keine Seltenheit. Wenn zwei süße Popöchen auf dem Darm hocken ist das verständlich. Die Harnblase hat auch Probleme sich zu entleeren, wenn es im Bauchraum eng wird.

Andere Probleme können erhöhter Blutdruck und somit Gestosen sein. Krampfadern sind auch ab und an Mitbringsel von Mehrlingen. Elefantenbeine gehören bei einem großen Bauch irgendwie ja auch dazu.

Das sind eher die Kleinigkeiten unter den Wehwehchen. Doch es gibt tatsächlich einige Komplikationen, die auftreten können. So kann es zu Nabelschnurumschlingungen, einer Übermenge an Fruchtwasser, auch Polyhydramnion genannt, oder auch einer Schwäche von Gebärmutterhals und Plazenta kommen. Da bei zwei Babys der Platz irgendwann sehr rar ist, sind auch Frühgeburten sehr häufig. Oft wachsen zum Ende der Schwangerschaft die Babys aus Platzgründen dann kaum noch.

Eine sehr fatale Komplikation stellt das fetofetale Transfusionssyndrom dar. Hierbei kommt es zu einer Blutübertragung zwischen den zwei Würmchen, was an sich nicht schlimm ist. Aber so es kann passieren, dass ein Baby weniger Blut bekommt und somit unterversorgt ist

Viel Vorsorge zur großen Sicherheit

Da Mehrlingsschwangerschaften deutlich risikobehafteter sind, ist auch die Vorsorge eine andere. Mit dieser Art von Risikoschwangerschaft bekommt man alle 2 Wochen die Gelegenheit ein wenig Baby TV zu schauen und ab der 28. Woche sogar wöchentlich.

Puh, das klingt sehr riskant. Es sind alles Dinge, die auftreten können, aber nicht müssen. Auch können diese Komplikationen, ausgenommen dem fetofetalen Transfusionssyndrom, bei einer Schwangerschaft mit nur einem Kind vorkommen.

Sind 3 eins zu viel?

Es hört sich furchtbar an, aber es gibt den sogenannten selektiven Fetozid. Hierbei wird ein oder mehrere Embryonen getötet. Wieso macht man so etwas? Meist wenn das Risiko, dass es bedingt durch die Anzahl der Embryonen zu Komplikationen kommt und die anderen Embryonen oder Mutter in Gefahr sind. Einem muss aber bewusst sein, dass das Abtöten eines Embryos natürlich auch zu einer Fehlgeburt der anderen Embryonen führen kann.

Ein kleiner Bonus

Für Mütter von Zwillingen oder andern Mehrlingen gibt es eine finanzielle Belohnung. So gibt es einen Mehrlingszuschlag von 300 Euro. Da wird endlich mal eine Schwangerschaft honoriert, wobei auch Mütter mit nur einem Wurm es manchmal nicht unbedingt leichter haben.