Viele verbinden sie mit der Geburt, doch sie können die ganze Schwangerschaft über vorkommen: Die Wehen. Das Wort Wehen beschreibt ja im Allgemeinen nur eine Muskelkontraktion der Gebärmutter, welche die Frau nicht kontrollieren kann. Der Uterus zuckt fröhlich vor sich hin und Mutti muss das nun aussitzen. Aber nicht alle Wehen bedeuten eine Geburt. Es gibt nämlich viele verschiedene Arten von Wehen, zum einen welche die als Schwangerschaftswehen bezeichnet werden und zum anderen die Geburtswehen.  Warum es zu Wehen kommt ist allerdings noch nicht endgültig erklärt. Fest steht aber, dass das Hormon Oxytocin da seine Finger im Spiel hat. Oxytocin gilt als Still- und Kuschelhormon.

Man unterscheidet zwischen 7 Arten:

  1. Braxton-Hicks-Kontraktionen (Übungswehen)
  1. Vorwehen
  1. Senkwehen
  1. Frühwehen
  1. Eröffnungswehen
  1. Presswehen
  1. Nachwehen

Doch was bedeuten diese Wehenarten im Einzelnen?

Braxton-Hicks-Kontraktionen: Übung macht den Meister!

Die Braxton-Hicks-Kontraktionen, welche auch als „unnütze Wehen“ oder „Übungswehen“ bekannt sind, treten meist zwischen der 20. Und 25. Schwangerschaftswoche auf. Ab und an platzen sie auch vorher schon in das Leben einer Schwangeren. Sie sind schmerzlos, unregelmäßig und flachen im Verlauf ab. Sie dauern ca. 30 bis 60 Sekunden und sollten nicht mehr als 3-mal pro Stunde auftreten. Auch werden sie nicht stärker in ihrer Intensität. Diese Art der Wehen sind eine reine Vorbereitung der Gebärmutter, quasi Muckitraining für die Geburt, daher haben sie keinerlei Einfluss auf den Muttermund.

Vorwehen: Die letzten Vorbereitungen werden getroffen!

Die Geburt steht kurz bevor, also noch mal alles geben, damit Fräulein Uterus auch fit ist für den Endspurt. Ab der 36. Woche kommt es daher zu Vorwehen. Im Gegensatz zu den Übungswehen sind diese mit Schmerzen im Rücken und den Leisten verbunden. Viele sagen es ist vergleichbar mit etwas stärkeren Menstruationsschmerzen. Also für viele ein alt bekannter Schmerz. Bei den Vorwehen drückt der Bauchzwerg samt seiner kompletten Wohnung auf die Blase was zu einem noch stärkeren Harndrang führt. Auch wenn man Schmerzen hat während der Vorwehen, bedeutet dies dennoch keinen Startschuss zur Geburt. Bis dahin können noch Tage oder sogar Wochen vergehen. Der Unterschied zu den Geburtswehen ist nicht nur die Schmerzstärke, sondern auch kommen sie unregelmäßig und flachen genau wie die Übungswehen im Verlauf wieder ab. Auch diese Wehen öffnen nicht die Pforte in die Freiheit. Der Muttermund bleibt geschlossen. Da muss der Knirps sich noch ein wenig gedulden.

Senkwehen: Baby in Startposition bringen!

Es wird langsam Zeit, dass der Wurm sich schon mal in die Pole-Position begibt, denn es geht ja bald los. Ab der 36. Woche ungefähr wird der Kopf des Kindes mit Hilfe der Senkwehen ins Becken gedrückt. Auch diese Wehen gehen mit Schmerzen einher. Abhilfe kann man da durch verschiedene Atemtechniken schaffen, welche man in Geburtsvorbereitungskursen oder durch die Hebamme erlernen kann. Vielen werdenden Müttern hilft auch ein warmes Entspannungsbad. Wenn das Kind dann nun unter ein bisschen Wehwehchen im Becken angekommen ist, kommt es auch zu einer Erleichterung. Auch wenn man nun das Baby ganz klar beim Sitzen im Becken spürt, so kann nun endlich wieder tief durchatmen. Denn da wo die Lungen vorher sich nicht komplett entfalten konnten, weil vielleicht ein süßer Babypopo im Weg war ist nun Platz. Auch der Magen, welcher ja vorher durch den Zwerg Platz abgeben musste kann sich nun wieder entfalten.

Du merkst, diese paar kleinen Schmerzen lohnen sich. Endlich wieder mit Genus essen und durchatmen können. Es ist als hätte man ein Stück seines Körpers wieder für sich. Die Umzugskartons in der Ein-Raum-Wohnung werden gepackt und alles steht nun zum Auszug bereit.

Frühwehen: Das war nicht geplant!

Frühwehen sind im Gegensatz zu den anderen Wehenarten nicht natürlich und daher können sie auch gefährlich werden. Sie können jederzeit auftreten. Das Risiko ist, dass es einen verfrühten Startschuss zur Geburt gibt und es in Folge dessen zu einer Früh- oder Fehlgeburt kommt. Es gibt viele mögliche Auslöser für Frühwehen. Diese reichen von körperlicher oder psychischer Belastung, Infektionen im Genitalbereich und Mehrlingsschwangerschaften, bis hin zur Plazentainsuffizienz, Rauchen, zu viel Fruchtwasser, Bluthochdruck oder Diabetes. Es gibt also viele verschiedene mögliche Auslöser. Woran merkt man denn nun ob es sich um Vorwehen, Senkwehen oder doch tatsächliche Frühwehen handelt? In der Regel machen sich die vorzeitige Wehen mehr als 3-mal pro Stunde bemerkbar und teten vor der 36. Woche auf. Die Schmerzen nehmen immer weiter zu und strahlen in den Rücken aus. Im Gegensatz zu den Vorwehen aber, sind die Frühwehen oft verbunden mit wässrigen oder blutigen Ausfluss aus der Scheide. Auch die Intervalle in denen die Wehen kommen, werden zunehmend kürzer. Sollte dies der Fall sein, sollte man umgehend einen Arzt aufsuchen. Bei einigen lässt es sich durch Bettruhe und Entspannung von selbst regulieren. Auch die Gabe von Magnesium kann helfen. Sollte all das nicht helfen, ist meist ein Krankenhausaufenthalt notwendig, wo die Schwangere dann einen wehenhemmenden Tropf bekommt.

Wenn du solche Wehen hast oder bekommen solltest, mach dich nicht verrückt. Denn auch vorzeitige Wehen lassen sich wie bereits erwähnt auch bis zu einem bestimmten Punkt wieder unter Kontrolle bringen und bedeuten somit nicht automatisch eine zu frühe Geburt. Das heißt für dich, erstmal entspannt bleiben. Denn ist Mama entspannt, so entspannt sich oft auch das Fräulein Uterus wieder.

Eröffnungswehen: Sesam öffne dich!

Und ab geht die Post. Es ist soweit, die Pforte zur Freiheit öffnet sich für den Nachwuchs. Das Tor in eine neue Welt. Die Eröffnungswehen zählen zu den Geburtswehen und sind der tatsächliche Startschuss zur Geburt. Sie sind da um den Muttermund zu öffnen. Anfangs fühlen sie sich an wie die normalen Menstruationsschmerzen und steigern sich dann immer weiter bis der Muttermund auf 10 cm geöffnet ist. Meist beginnen sie unregelmäßig und bekommen dann eine Regemäßigkeit. Zu Beginn hat man circa alle 10 Minuten eine Wehe, zum Ende hin dann alle 2,5 Minuten. Eine Wehe dauert ca. 90 Sekunden. Man kann jede einzelne Wehe einteilen: leichter Beginn, dann erreicht sie ihren Höhepunkt und flacht dann wieder ab.

Wenn die Wehen noch nicht regelmäßig kommen und die Abstände noch nicht sehr kurz sind, kannst du ganz entspannt noch duschen, essen oder in Ruhe die letzten Sachen für die Entbindung zusammenkramen bevor du dich dann auf den Weg ins Krankenhaus machst. Also keine Hektik, ganz entspannt. Und falls du dich nun fragst, ab wann du weißt, dass es sich nun um wirkliche Geburtswehen handelt, dazu gibt es eigentlich keine Antwort. Aber laut vieler Mütter wirst du es merken. Verlasse dich da auf dein Gefühl, denn Gefühl für deinen Körper hast du in den letzten Monaten wahrscheinlich oft genug bewiesen.

Presswehen: Lasst mich durch, ich bin Baby!

Der Name sagt schon alles. Es sind die Wehen, welche in der Austreibungsphase dann da sind. Die ultimativen und endgültigen Wehen, die das kleine Wunder zum Auszug zwingen und es direkt in Mamas Arme treiben. Auch hier lässt sich nur sagen, eine Mutter weiß sofort, ab wann es sich um die Presswehen handelt, da sie den starken Drang zu pressen verspürt. Hierbei wird das Kind dann zur Scheidenöffnung gedrückt. Wenn das Köpfchen dann draußen ist, rutscht der Körper mit der nachfolgenden Wehe auch noch nach. Und dann ist der Moment endlich da, auf den Mami lange warten musste. Der Zwerg ist da und begrüßt Mama oft mit einem lautstarken Hallo auf seiner eigenen Sprache.

Und spätestens nun weißt du, wofür du alle Wehwehchen durchgestanden hast. Egal, ob Übelkeit, Schmerzen oder schlaflose Nächte, denn im Vergleich zu etwas so Wunderschönem, waren die Begleiterscheinungen doch nur Spaziergang im Regen. Belohnt wurdest du mit dem Sonnenschein in deinen Armen. Sei stolz auf dich.

Nachwehen: Haushaltsauflösung! Alles muss raus!

Nun muss nur noch die Wohnung geräumt werden. Dafür sind die Nachwehen. Sie sind eine Art Räumungsdienst und sind schwächer als die Geburtswehen. Sie dienen der Ablösung der Plazenta, denn diese ist ja nun arbeitslos, wo der Knirps nun von Mama höchstpersönlich umsorgt wird. Von der Stärke sind sie auch dem Periodenschmerz sehr ähnlich und dauern ca. 10 bis 15 Minuten.

Doch auch wenn die Nachgeburt, sprich die Plazenta, das Feld geräumt hat, können die Nachwehen danach noch vorkommen. Denn auch das Stillen des Babys können noch leichte Wehen auslösen. Aber keine Sorgen, diese sind natürlich und ungefährlich. Sie werden durch das Still- und Kuschelhormon Oxytocin ausgelöst, welches wie der Name schon sagt durch das Stillen und die Nähe zum Baby produziert wird. Oxytocin ist auch ein sehr wichtiges Hormon denn es dient nicht nur der Milchbildung, sondern hilft auch Nachblutungen und Entzündungen vorzubeugen.

Und am Ende siehst du nun, dass nicht alle Wehen gleich eine Geburt bedeuten. Es gibt auch unnütze, harmlose Wehen, welche jederzeit auftreten kommen. Oft gehen die Schwangerschaftswehen so schnell wie sie gekommen sind. Klar die Geburtswehen kommen und gehen erst dann, wenn dein Schatz endlich das Licht der Welt erblickt hat. Und das macht ja auch Sinn, denn das ist ja schließlich das Ziel der Schwangerschaft: Das Familienglück komplett zu machen.