Da ist der kleine Schatz nun endlich da und Mama und Papa freuen sich riesig. Doch ab und an fällt es manchen Kleinlingen schwer sich direkt von der Ein-Raum-Wohnung mit Roomservice an die große weite Welt zu gewöhnen.

Die Umstellung ist manchmal schwer

Das muss man sich auch mal vorstellen: da bekommt man im muckeligen Bauchnest kontinuierlich was zu futtern, ohne dafür etwas tun zu müssen. Ist das nicht Luxus pur? Und dann wird man aus der Wohnung geworfen und die Dauerschleife an Nahrungszufuhr ist auch weg. Da kann es passieren, dass der kleine Wurm leichte Probleme mit dem Blutzucker bekommt. Ab einem Blutzucker von weniger als 35 mg/dl wird es dann als neonatale Hypoglykämie bezeichnet, also Neugeborenenunterzuckerung. Es ist ja direkt nach der Entbindung erst mal eine Bremse von 100% auf 0%. Daher macht sie sich zwischen dem 1. Und 3. Lebenstag bemerkbar. Doch nicht jedes Baby hat damit Probleme.

Welche Babys bekommen Zuckerprobleme?

Aber welche Kinder haben denn da Probleme mit der Regulierung des Blutzuckers? All das ist abhängig von verschiedenen Faktoren. Es ist nicht nur vom Gestationsalter , also der Schwangerschaftswoche, und dem Ernährungszustand des Kindes abhängig, auch spielt es eine große Rolle, ob der Zwerg dem Alter entsprechend herangereift ist und wie schnell der Nachwuchs nach der Entbindung die erste wohlverdiente Mahlzeit bekommt.

Durch all die Faktoren ergibt sich ein unterschiedlich hohes Risiko, dass so ein Wurm dieses kleine Problem entwickeln könnte.

Betroffen sind ca. 2 bis 4 % der reifen Neugeborenen, ca. 5 bis 10 % der Frühchen, bis zu 20% der Neugeborenen, welche noch nicht ausgereift sind und auch Zwillinge, da diese meist kleiner sind. Immerhin müssen sich Zwillinge eine Wohnung teilen, da muss man auch mal platzsparend wachsen.

Warum unterzuckert so ein Winzling?

Wodurch kann es denn noch zu einer Unterzuckerung bei dem Frischling kommen? Also es gibt natürlich zwei Varianten, welche jedem einleuchten dürften. Entweder ist von vorn herein zu wenig Glukose, also Zucker, da oder der Knirps lebt über seine Verhältnisse. Es entsteht also ein Ungleichgewicht zwischen Bedarf und dem, was vorhanden ist.

Ein Grund warum ein Baby zum Beispiel einen höheren Verbrauch an Glukose hat, kann eine Sauerstoffunterversorgung und Stress unter der Geburt sein.

Auch ein Diabetes der Mutter kann ein Grund dafür sein. Wenn Mama viel Zucker hat, bekommt das Baby dementsprechend ja auch viel davon ab. Dadurch produziert die Bauchspeicheldrüse des Babys natürlich auch ausreichend Insulin. Nach der Entbindung ist die Zuckerzufuhr weg, aber das hart produzierte Insulin ist ja noch da, woraus dann auch eine Unterzuckerung entstehen kann.

Eine Blutgruppenunverträglichkeit zwischen Mutter und Kind führt ja auch in schweren Fällen zu einer Austauschtransfusionstherapie. Warum kann denn dies nun auch zu einer Hypoglykämie führen? Ganz simpel: das Blut, welches dem Kind zugeführt wird, ist nicht zusätzlich mit Glukose versetzt. Also fehlt es hier auch an Zucker.

So zeigt sich eine Unterzuckerung

Woran merkt man denn nun, ob der süße Fratz ein bisschen was Süßes braucht? Symptome haben die Kleinen meist nicht. Nur bei einer sehr starken Unterzuckerung kann es zu Krampfanfällen, Unruhe, Zyanose oder auch Apnoen kommen. Zyanose sind sichtbare Anzeichen eines Sauerstoffmangels, also meist blaue Lippen oder Fingerchen. Von Apnoen spricht man im Fachjargon bei Atempausen.

Der Unterzuckerung den Kampf ansagen

Das Kind ist also im Blut nicht so süß wie es von außen aussieht. Was tut man denn jetzt? Ganz simpel mit Glukoseinfusionen den Zuckerbedarf decken. Wenn dadurch der Blutzucker nicht steigt, so kann man Glukagon geben. Man kann auch Cortison geben, denn dieses Medikament ist bekannt dafür, dass es den Blutzuckerspiegel nach oben jagt. Da der Calciumspiegel meist parallel zum Blutzucker steigt und sinkt, empfiehlt sich auch eine Kontrolle der Calciumwerte.

Folgeschäden?

Muss man nun als Mutter mit Folgeschäden rechnen? In der Regel gehen die Kinder ohne Beeinträchtigungen da raus, jedoch kann man je nach Dauer, Häufigkeit und auch Ursache der Unterzuckerung Hirnschäden nicht ausschließen.

Es gibt jedoch Dinge, die eine Mama tun kann um einer Hypoglykämie vorzubeugen.

  • Was automatisch passiert, zumindest im Krankenhaus, ist die Kontrolle des Blutzuckers nach der Entbindung. Dazu wird durch einen kleinen Pieks ein Tröpfchen Blut genommen und getestet.
  • Es ist sehr wichtig, dass der kleine Wurm möglichst zeitnah nach der Geburt sein Willkommensgetränk bekommt. Ob Fläschchen oder die Brust, das spielt hierbei keine Rolle.
  • Sollte dies nicht funktionieren gibt es noch das sogenannte Dextrose-Gel, welches einfach in die Wangentasche des Kindes gegeben wird.
  • Bei Muttis mit einem Schwangerschaftsdiabetes, sollte man spätestens 30 Minuten nach der Entbindung das Baby füttern.

Viele Babys bekommen ihren Zugang nicht im Handrücken, sondern am Kopf. Sieht schlimm aus, aber ist viel besser. Zum einen sind die Gefäße dort besser und vor allem stört es nicht. Denn Babys bewegen ihre Arme viel und der Handrücken ist auch für Erwachsene ja nicht die angenehmste Stelle. Also gewöhn‘ dich einfach nur an den Anblick, falls dein Kind nun eine lustige Antenne bekommen sollte. Vielleicht empfängt der Zwerg ja auch Nachrichten aus dem All.