Neugeborenenikterus: Und wieder ein Begriff, der fremd klingt. Er trägt auch noch einen anderen Namen: Neugeborenengelbsucht. Gelbsucht? Oh je, das haben das nicht nur Menschen mit einer kaputten Leber? Nein! Auch ein Baby kann aussehen wie ein Simpson oder ein Quietscheentchen und das ist nicht mal selten und in der Regel auch ungefährlich. Knapp die Hälfte aller Frischlinge leuchten in einem sonnigen Gelb. Die Haut als auch die Augäpfel sind gelblich verfärbt. Der Urin kann eine bräunliche Verfärbung aufweisen und auch das große Geschäft der Kleinsten kann eine helle Farbe aufweisen.

Von rosig zu gelb in ein paar Tagen

Doch die Babys kommen nicht gelb zur Welt: in der Regel beginnt dies erst 2 bis 3 Tage nach der Entbindung. Am ca. 5. Lebenstag hat das strahlende Gelb dann seinen Höhepunkt erreicht.  Das Spektakel dauert im Schnitt 10 bis 14 Tage.Bei Frühchen ist die gelbe Farbe meist noch kräftiger. All das ist jedoch kein Anzeichen einer Infektion der Leber oder ähnliches, sondern eine reine Anpassungsstörung. Immerhin war im muckeligen Bauch ja auch alles anders und das Baby wurde viel von Mutti versorgt.

Wie kommt es also nun dazu, dass der kleine Mensch nun wortwörtlich zu einem Sonnenschein wird?

Woher kommt das sonnige Gelb?

Alles hängt mit der Leber und dem Blut zusammen. Im Mutterleib hat das Baby nämlich andere Blutkörperchen. Das Hämoglobin, also der rote Blutfarbstoff, ist im Mutterleib anders aufgebaut. Das fetale Hämoglobin, das HbF, besitzt die grandiose Eigenschaft mehr Sauerstoff an sich binden zu können. Nach der Geburt wird das nun in dem Maße nicht mehr benötigt, weshalb das HbF dann abgelöst wird durch das adulte Hämoglobin, dem HbA.

Keine Bange, das wird hier kein Medizinunterricht, ist nur zum groben Verständnis für dich, um zu wissen, was alles passiert in dem kleinen Körper und warum viele Babys aussehen wie das Mitglied einer in Springfield lebenden Cartoonfamilie.

Durch Bilirubin zum Sonnenschein

Jetzt ist da also nach der Geburt noch das fetale Hämoglobin, welches ja ausgetauscht wird. Das HbF zerfällt einfach von alleine, entsteht dabei der Farbstoff Bilirubin, welcher von der Leber abgebaut wird und ganz nebenbei auch die gelbe Farbe verursacht. Doch wieso wird das Kind nun gelb? Ganz einfach: die Leber ist noch nicht so geübt und kommt daher oft nicht mit dem Abbau von Bilirubin nach. Immerhin zerfällt so viel HbF auf einmal, dass es zu einem Stau kommt. Solange muss das Bilirubin ja irgendwo hin und lagert sich in der Haut und den Augäpfeln ab, daher die Transformation zum Quietscheentchen.

Die 4 Gesichter der Neugeborenengelbsucht

Es gibt 4 verschiedene Formen vom Ikterus, welche sich anhand der Blutwerte oder der Dauer   Ikterus unterscheiden.

Da wäre einmal der Ikterus praecox. Dieser tritt bereits am ersten Lebenstag auf und ist oft eine Folge von einer Blutgruppenunverträglichkeit von Mutter und Kind. Deshalb wird ja auch sowohl von Mutter als auch vom Kind die Blutgruppe bestimmt. Er ist gekennzeichnet durch einen Bilirubinwert von über 12 mg/dl im Blut innerhalb der ersten 36 Lebensstunden des Babys.

An nächster Stelle ist da noch der Ikterus gravis zu verzeichnen. Dieser zeichnet sich einen Wert von 20mg/dl im Blut aus. Bei Frühgeborenen ist die Grenze da anders gesetzt. Hier spricht man dann bereits ab einem Wert von 10 mg/dl Bilirubin im Blut von einem Ikterus gravis.

Und zu guter Letzt, der Ikterus prolongatus. Dieser beschreibt einen Ikterus, welcher länger als 14 Tage vorhanden ist.

Zu erwähnen wäre aber auch noch die gefährliche Form des Ikterus, auch wenn diese nur in 0,4 bis 2,7 Fällen bei 100 000 Geburten vorkommt und somit sehr selten ist. Der Kernikterus. Hier liegen die Werte über 30 mg/dl und es kann zu einer so genannten Bilirubin-Enzephalopathie kommen. Dies  kann dann zu Hirnschädigungen oder sogar zum Tode führen. Bei einem Kernikterus ist das Kind meist sehr träge und trinkt auch sehr schlecht. Es kann auch zu Krampfanfällen kommen. Wichtig ist aber zu erwähnen, dass dies nur in einem sehr schweren Verlauf so kommen kann.

Bei einem Kernikterus wird in der Regel auch nicht mehr mit der Phototherapie gearbeitet, sondern es wird eine Blutaustauschtransfusion durchgeführt. Wie der Name schon sagt, wird über einen großen Zugang das alte Blut abgelassen und das Kind bekommt zeitgleich frisches Blut. So bekommt man das Bilirubin schnellst möglich aus dem Blutkreislauf heraus.

Die Rückkehr von gelb nach rosig

Normalerweise baut sich der gelbe Farbstoff rasch von alleine ab, in manchen Fällen muss die Gelbsucht, auch in Fachkreisen Hyperbilirubinämie genannt, dann dennoch behandelt werden.

Wie therapiert man denn so etwas? Wird das Kind mit Bleichmitteln gewaschen? Oder gibt es Salben, Cremes oder Tabletten? Nein, die Lösung ist im Normalfall viel einfacher. Es gibt die sogenannte Phototherapie. Klingt wie ein Fotoshooting aber hat damit nichts zu tun. Hierbei handelt es sich um ein blaues Licht, welches mit einem Abstand von ca. 20 cm das Kind bestrahlt, mehrmals für ca. 5 Stunden am Tag.

Was macht das blaue Licht so besonders?

Das blaue Licht bewirkt, dass der gelbe Farbstoff wasserlöslich gemacht wird und ohne auch nur die Leber gesehen zu haben, wortwörtlich pipieinfach über die Niere ausgeschieden wird. Um jedoch, wie bei einer Sonnenbank beispielsweise, Schäden an den Augen zu vermeiden, trägt das Baby während der Therapie eine super hippe Augenmaske. Nicht wundern, das Baby ist bis auf eine Windel nackig, damit möglichst viel Licht auf den Körper trifft. So geht das alles auch wenig schneller.

Anhand dieses Wissens kannst du zumindest beruhigt sein: denn erstens, trifft es knapp die Hälfte aller neuen Erdenbürger und zweitens ist die Prognose sehr gut und geht in den meisten Fällen auch ohne jegliche Beeinträchtigung einher.

Wodurch wird denn so ein Neugeborenenikterus bzw. die Hyperbilirubinämie begünstigt? Es gibt einige Faktoren, welche solch eine Entwicklung begünstigen, was jedoch nicht heißt, dass diese Faktoren unweigerlich zu einem Ikterus führen. Folgendes können dazu beitragen:

  • Sepsis (im Volksmund auch Blutvergiftung genannt)
  • Unterzuckerung des Kindes (Hypoglykämie)
  • Mangel an Albumin (ein Eiweiß, welches den Farbstoff zur Leber transportiert)
  • Sauerstoffmangel
  • Blutgruppenunverträglichkeit zwischen Mutter und Kind
  • Große Hämatome (blaue Flecken)

Für dich zum Abschluss noch mal: in fast allen Fällen geht das Kind ohne jeglichen Schaden davon. Ein Kernikterus ist wirklich sehr, sehr selten. Mach dich also nicht verrückt. Und auch die Risikofaktoren bedeuten nicht zwingend, dass dein Baby nach der Geburt gelb aufleuchten wird. Es ist nur wichtig es zu erwähnen, auch wenn das Risiko, dass das Kind beeinträchtigt wird sehr gering ist. Du brauchst dich auch an den Simpson-Anblick nicht gewöhnen, da er schnell wieder vorbei ist.