Hauen, Kratzen und Beißen

Hauen, Kratzen und Beißen

Immer war dein Kind ein lieber süßer Engel und dann passierte das, was dich und viele andere Mütter einfach schockiert hat. Dein Kind beißt, kratzt oder schlägt plötzlich.

Warum kratzt und beißt ein Kind urplötzlich, obwohl es sonst immer das friedlichste Bambi auf Erden war?

Es gibt verschiedene Gründe warum ein Minimensch zu einem kleinen Rüpel mutiert. In den seltensten Fällen ist pure Bosheit. Es gibt genug andere Gründe.

Und das sind die verschiedenen Gründe:

  1. Spielen kann auch mal etwas rabiat sein: Alle Kinder sind ja von Natur aus nicht direkt Feinmotoriker, sondern wahre Grobiane. Um mit einem anderen Kind beim Spielen in Kontakt zu kommen wird dann auch mal aus einem vorsichtigen Anfassen und Tätscheln ein festeres Hauen.
  2. Ein feuriges Temperament: Irgendwo muss ja die Energie hin und einige Kinder bauen überschüssige Energie eben wie Bud Spencer ab. Auch fühlen sich temperamentvolle Kinder schnell angegriffen oder reagieren bei Angst und Unsicherheit über und hauen zu.
  3. Der Wunsch nach Aufmerksamkeit: Wenn ein Zwerg etwas Gemeines tut fällt das Eltern eher auf als wenn es etwas Gutes tut. Und so versuchen einige Kinder mit Hauen und Beißen Aufmerksamkeit zu bekommen.
  4. Kleine Platzhirsche: Auch Kinder untereinander leben gerne in Hierarchien, so möchte jedes Kind Chef sein. Also gibt es oft ein Kräftemessen. Um zu signalisieren, dass man der Stärkere ist wird dann auch mal gehauen oder gebissen und sich somit der nötige Respekt verschafft.
  5. Mitteilungsbedarf: Da die Aggressionen meist bei Kindern auftreten, die das Wortejonglieren noch nicht so beherrschen, dient das Schlagen und Beißen auch als Ausdruck. So können Kindern mitteilen, dass sie etwas belastet, sie frustriert oder traurig sind. Sei es wegen Streit oder Scheidung der Eltern, die Geburt eines Geschwisterchens oder auch der Tod von Oma.
  6. Raus der Opferrolle: Kinder die häufig geärgert werden beißen und prügeln oft, weil es für sie der einzige Ausweg ist um nicht mehr von anderen herumgeschubst zu werden.
  7. Zu strenge oder fehlende Grenzen: Gibt es keine Grenzen, so weiß ein Kind auch nicht ab wann es kein Spaß mehr ist. Auch zu eng gesteckte Grenzen können ein aggressives Verhalten fördern. Viele Kinder versuchen so den zu engen Grenze zu entkommen und sich damit gegen eine Überstrenge zu wehren. Quasi „Fight for freedom“.

Doch was kann man nun tun, wenn der Sprössling statt Küsschen, Veilchen und Zahnabdrücke verteilt?

An erster Stelle steht die Ursachenforschung. Wenn man beobachtet in welchen Situationen das Teufelchen im Kind sein Gesicht zeigt, so findet man eventuell heraus, warum es Fäuste hagelt.
Auch wenn man als Eltern am liebsten platzen wurde vor Wut und Enttäuschung, so muss man Mitgefühl zeigen.

Du denkst dir nun vielleicht „Wieso soll ich Mitgefühl haben, wenn mein Zwerg wem anders wehtut?“. Aber behalte immer Hinterkopf, dass die wenigsten Kinder so etwas tun, weil sie anderen weh tun wollen.

Den Anfang machen immer die klaren Ansagen. Dem kleinen Kampfzwerg muss deutlich gesagt werden, dass man zwar versteht, dass er nun frustriert oder wütend ist, aber man niemanden haut oder beißt. Auch die Erklärung, dass es anderen weh tut, wenn man haut oder beißt ist sehr wichtig, da Windelpupser oft gar nicht wissen, dass sie anderen damit wehtun. Eigene Kräfte einschätzen liegt noch im Erfahrungsfundus der Kleinen.

Im Weiteren ist es natürlich hilfreich eine Ersatzlösung bereitzustellen. Wenn man dem Kind nun sagt, dass es seinen Frust nicht durch Hauen und Beißen abbauen kann, so braucht es ein neues Frust- und Wutventil. Ob es ein Schreien, ein festes Stampfen auf den Boden oder auch das Schlagen in ein Kissen ist. So kann man dem Kind erklären, dass es in ein Kissen boxen oder beißen kann und damit niemanden weh tut. Sollte es um die Opferrolle gehen, ist das Vorgehen gleich. Auch hier müssen dem Kind Ersatzhandlungen gezeigt werden.

Wie geht man nun damit um wenn man Zeuge eines handgreiflichen Wutanfalls wird?

In solchen Fällen sollte man unbedingt von einer Bestrafung absehen, da es die Wut zusätzlich verstärken kann. Dennoch muss es Konsequenzen haben. So empfiehlt sich das Kind darauf aufmerksam zu machen, dass es eine Grenze überschritten hat, jemand verletzt wurde und, dass das nicht in Ordnung ist. Danach sollte man das Kind einfach ignorieren und nicht weiter darauf eingehen. Meist kommen dann die Engelchen wieder zum Vorschein und der Wutanfall endet. Immerhin merken Kinder schnell, wenn Handlungen nicht den gewünschten Effekt – in diesem Falle Aufmerksamkeit- haben.

Was du nie vergessen solltest: Sei ein Vorbild! Wenn du deinem Kind erklärst, wie es beispielsweise seinen Frust durch das Hauen auf ein Kissen abbauen kann, so mach es ihm vor. Schlage auch du dein Kissen windelweich wenn du sauer bist, denn Kinder lernen das Meiste durch Nachahmung.

In der Regel dauert dieses Verhalten nur ein paar Wochen, manchmal auch Monate an und endet spätestens, wenn sich Junior besser mit Worten verständlich machen kann. Sollte das Ausmaß an Aggressionen sich jedoch verschlimmern oder ewig andauern empfiehlt ein Gespräch mit einem Kinderpsychologen oder einer Erziehugsberatung.

2018-12-20T16:15:44+00:0020.12.2018|