Vielleicht kennst du es als junge Mama: der Nachwuchs gibt ein lautstarkes Privatkonzert, wenn er alleine schlafen soll. Sicherlich warst auch du bereits an einem Punkt der totalen Verzweiflung und hättest dich am liebsten in Luft aufgelöst.

Doch was kann man tun, wenn Junior nicht alleine ins Land der Träume übersiedeln will? Es ist eine sehr umstrittene Methode, wie Kinder das Schlafen „lernen“ sollen: die Ferber-Methode.

Erst einmal etwas Geschichte

Benannt wurde diese Methode natürlich nach ihrem Erfinder Richard Ferber. Er ist ein amerikanischer Kinderarzt und Neurologe und leitet das Zentrum für Schlafstörungen in Boston.

Seine Methode bezweckt, dass ein kleines Würmchen lernt, wie es sich selbst beruhigt, ohne dass Mama oder Papa die große Armschaukel auspacken. Immerhin bedeutet dies ja auch eine neue Errungenschaft für den Zwerg.

Wie funktioniert das „Ferbern“?

Zunächst einmal erfolgt das, was wohl so ziemlich alle Eltern machen: das Schlafritual. Sei es eine Geschichte, großes Gruppenkuscheln oder ein Schlaflied à la Heinz Rühmann. Danach wird der Sprössling wach in sein Bettchen gelegt und Mama und Papa verlassen den Raum. Wenn das Kind dann anfängt sich lautstark zu beklagen, was einem denn einfällt einfach herauszugehen, geht man kurz ins Zimmer und beruhigt das Kind ohne es hochzunehmen.

In Minutenabständen wird dies wiederholt, bis das Kind in das süße Land der Träume eingetreten ist.

Wichtig ist: Man sollte das Kind nicht dauerhaft schreien lassen ohne mal nachzuschauen. Präsenz zeigen ist ein Muss. Nach 3 bis 14 Tagen lassen sich, laut dem schlauen Richard, erste Erfolge sehen. Doch wichtig ist es zu wissen, dass auch Ferber sagt, dass das nicht mit jedem Spross funktioniert. Es gibt eben auch kleine Rebellen unter ihnen, die ihr eigenes Ding machen.

Doch nicht nur in Amerika gibt es solche Schlaflernprogramme. Annette Kast Zahn ist quasi das deutsche Pendant zu Ferber und hat auch eine solche Methode in ihrem sehr umstrittenen Buch „Jedes Kind kann schlafen lernen“ zum Besten gegeben.

Große Kritik an dieser Methode

Natürlich liegt es in der Natur des Menschen ein weinendes Baby zu trösten, immerhin sind sie ja noch hilflos und ohne jeglichen Plan vom Leben. Sich diesem Drang zu widersetzen, so sagen die Kritiker, kann nicht gut sein. Sie gehen davon aus, dass das Schreienlassen eines Kindes zu Todesängsten führt. Das Kind stellt sich womöglich Fragen wie: Kommt Mama überhaupt zurück, wenn sie das Zimmer verlässt?

Die Anti-Ferber-Gruppe stellt die Behauptung auf, dass das Vertrauen zu den Eltern hierdurch maßgeblich gestört wird und dies dann Langzeitfolgen hat. Denn immerhin schläft das Kind ihrer Meinung nach nicht ein, weil es sich beruhigt, sondern lediglich, weil auch der stärkste Duracell-Akku irgendwann platt ist.

Auch bei manch einer Hebamme gehen bei dem Wort „Ferbern“ die Alarmglöckchen an. Für viele ist das Ferbern gleichzusetzen mit schlimmsten Qualen für das Kind.

Eines darf man aber nicht vergessen: diese Methode ist eine Art Notfallplan. Manchmal ist sogar laut Hebammen dieser Notfallplan sinnvoll. Schreit ein Kind nämlich ständig, führt dies zu Schlafmangel und tiefen Augenrändern bei den Eltern. Das Nervengerüst wird dünner und so ist manchmal schreien lassen 1000-mal besser, als das Kind zu schütteln.

Ist denn nun schädlich das Kind sich in den Schlaf schreien zu lassen?

Es gibt eine, wie alles in diesem Thema, sehr umstrittene Studie vom Mai 2016. Hier gab es 43 Kinder, die in 3 Gruppen eingeteilt wurden. Die erste Gruppe wurde „geferbert“, die zweite Gruppe anderweitig zum Schlafen gebracht und die dritte Gruppe da lief alles quasi nach Instinkt ohne eine besondere Methode. Bei allen Würmchen wurde das Stresshormon Cortisol bestimmt, und siehe da: keine bemerklichen Unterschiede zwischen den Gruppen. Das einzige was auffiel: nach der Methode schliefen einige viel leichter ein als diese, bei der keine Methode angewandt wurde. Auch Bindungsunterschiede waren nach einem Jahr nicht zu erkennen.

Nun sagen natürlich die Kritiker: aber halt! Es waren nur 43 Kinder, das ist für eine Studie viel zu wenig. Auch über Langzeitfolgen ließe sich nichts sagen.

Nun ja, ob du dein Kind schreien lässt oder nicht, das musst du selbst für dich entscheiden. Es gibt Aspekte die sind kritisch zu hinterfragen und auch Tatsachen, die einfach so sind. Ob dein Knirps auch ruhig mal etwas Radau machen kann, ohne direkt geschunkelt zu werden, ist also ganz allein deine Entscheidung und musst auch nur du für dich rechtfertigen. Vergiss nie eines: egal wie du es tust, du kannst eh nie allen recht machen.