Da ist sie nun: die Schwangerschaft mit allem, was sie mit sich bringt. Übelkeit, einer innigen Beziehung zum Bett und den heiligen Keramikhallen, aber auch diese riesige Vorfreude, bald so ein kleines Bündel voller Liebe in den Armen halten zu dürfen. Das eigene Meisterwerk. Und ja, jedes Kind ist ein Meisterwerk.

Es gibt jedoch Momente, in der sich eine werdende Mutti dann große Sorgen macht. Das passiert ganz klar dann, wenn sie plötzlich Blutungen hat.

Liebe Mutti, bleib bitte erstmal ganz ruhig, denn nicht jede Blutung bedeutet etwas Schlimmes.

Der erste Gedanke, den eine werdende Mama dann fasst ist ja meist das Schlimmste: eine Fehlgeburt. Doch dies ist meist nicht der Fall, denn gerade in der Frühschwangerschaft sind Blutungen meist harmlos. Bei den Blutungen unterscheiden die Mediziner die in der Frühschwangerschaft und die in der Spätschwangerschaft. Also quasi die ersten 20 Wochen und die letzten 20 Wochen.

 Rote Welle in der Frühschwangerschaft

In der Frühschwangerschaft haben ca. 20% aller Schwangeren Blutungen.

Ja jetzt siehst du erstmal, dass falls du auch welche hast, du nicht alleine bist. Es betrifft tatsächlich jede fünfte Schwangere.

Die wichtigste Frage, die es sich zu stellen gilt: Wo kommt diese Blutung her und handelt es sich um eine Fehlgeburt? Klar gibt es Blutungen, die eine Fehlgeburt bedeuten. Es kann sich auch um eine Eileiterschwangerschaft handeln. Mediziner nennen dies eine extrauterine Schwangerschaft. Doch das passiert nur bei 1 bis 2 % aller Schwangerschaften. Also selten. Sowohl die Eileiterschwangerschaft, als auch die Fehlgeburt kennzeichnen sich dadurch, dass sie in der Regel mit Schmerzen und Krämpfen einhergehen.

Die meisten Blutungen in der frühen Schwangerschaft sind jedoch harmlos. Also nicht direkt in Panik geraten, wenn man als Schwangere mal ein wenig Blut im Schlüppi findet. Oft handelt es sich gerade in den ersten Wochen um Einnistungsblutungen, welche auch Nidationsblutungen genannt werden. Diese dauern ca. 1-2 Tage. Dann gibt es noch die plausibelste Erklärung für eine Blutung. Denn wann blutet jeder Mensch? Ganz genau: bei Verletzungen.  So können aufgrund von Sex beispielsweise, kleine Verletzungen in der Scheide, dem Gebärmutterhals oder Muttermund entstehen. Auch hier natürlich kein Grund in hysterische Heulkrämpfe zu verfallen, denn all das ist nicht gefährlich für die Mama oder den Knirps. Die Verletzungen heilen meist von selbst, sollten sie dies nicht tun, verödet der Gynäkologe die kleinen Gefäße und alles ist wieder im Lot.

Ein Part wurde jedoch vergessen, gerade in der Frühschwangerschaft. Der Fiesling auf den sich eigentlich so gut wie alle Symptome auch zurückführen lassen. Und eine Idee? Na klar: die lieben alten Hormone. Die haben ihre Finger irgendwie aber auch immer mit im Spiel, müssen sie ja auch. Ohne sie wäre man ja nicht eine stolze Mama in spe. Da anfangs die Hormonschwankungen noch recht groß sind bis sie sich eingependelt haben, haben viele Frauen um den Menstruationszeitpunkt Blutungen. Und keine Bange, es ist keine Erdbeerwoche und der Gynäkologe hat sich nicht geirrt, als er die Schwangerschaft bestätigte. Auch ist der kleine Untermieter nicht dabei auszuziehen. Die Blutung ist auch nicht so stark wie die normale Erdbeerwoche. Ab und an verschreiben Ärzte dann ein wenig Progesteron und alles ist in Ordnung. In der Regel kriegt der Körper es nach etwas Zeit  auch alleine geregelt die Hormone ordentlich zu sortieren und dosieren.

Doch wann sollte man denn nun lieber den Arzt des Vertrauens aufsuchen? Auch hier lässt sich sagen, dass es auf die Schwangerschaftswoche und die Blutungsstärke ankommt. Wenn man nun mal einen leicht verfärbten Ausfluss hatte, kann man es zu Hause aussitzen. Kommen natürlich Schmerzen oder stärkere Blutungen auf, sollte man dies immer ärztlich abklären lassen. Denn sicher ist sicher. Und vor allem beruhigt es ja auch das Mutti-Gewissen.

Also scheue dich nicht, wenn du besorgt bist zum Arzt zu gehen. Auch wenn es nur eine Schmierblutung war.  Lieber einmal zu viel als zu wenig, und du bist dann auch erleichtert.

Blutverlust in der Spätschwangerschaft

Das waren nun die Gründe, warum es in der frühen Schwangerschaft zu Blutungen kommen kann. Doch da ist ja noch die andere Schwangerschaftshälfte. Wie ist es denn da mit roten Zwischenfällen?

Auch hier kann es zu Blutungen kommen, jedoch sind hier nur 2 bis 10% aller Schwangerschaften betroffen. Von diesen Blutungen sind nur 2-3% wirklich gefährlich, was bedeutet, dass man einen Blutverlust von mehr als 800ml hat. Die häufigste Ursache für Blutungen in der Spätschwangerschaft sind ausnahmsweise nicht die Hormone. In 40 bis 70% aller Fälle ist die gute alte Plazenta der Grund. Was kann denn der Mutterkuchen so anstellen, dass es da zu Blutungen kommt?

Bevor wir nun auf die Ursachen eingehen, halte dir stets vor Augen, dass all diese Ursachen selten sind, welches du auch anhand der Prozentzahlen direkt erkennen wirst. Dennoch muss man sie erwähnen, denn auch wenn sie selten sind, gibt es sie ja.

Viele Verschiedene Ursachen

Es gibt natürlich viele verschiedene Gründe für Blutungen, befassen wir uns aber nur mit den vier häufigsten. Da die Plazenta ja die häufigste Ursache ist, beginnen wir einfach bei ihr.

Da wäre die Plazenta praevia. Was bedeutet das nun? Ganz einfach. Der Mutterkuchen liegt vor oder in unmittelbarer Nähe vom Gebärmuttermund. Dadurch kann es Blutungen kommen, beispielsweise beim Sex oder anderen Anstrengungen wie schweres Heben. Eine Plazenta praevia kommt ca. einmal bei 200 Schwangerschaften vor.  Also auch nicht so häufig. An für sich ist dies auch keine Sache, wo man direkt angst und bange sein muss, dass dem Baby etwas passiert. Meist verschreibt der Arzt einem dann Ruhe. Mami soll sich schonen. Auch auf Sex sollte man mit einer Plazenta praevia verzichten. Ja, wenn eure Hoheit Madame Plazenta meint sie müsse vorm Muttermund liegen, dann muss Mami sich danach richten. In dem Falle ist der Mutterkuchen halt der Boss. Aber man macht das alles ja gerne für seinen Bauchzwerg. In seltenen Fällen muss eine Schwangere deshalb ins Krankenhaus, meist reicht Urlaub auf Sofanien.

Doch die Plazenta kann auch anders. Sie kann leider auch zur Gefahr für eine Mutter und ihr Kind werden. So beispielsweise im Falle einer vorzeitigen Plazentaablösung. Im Fachjargon auch abruptio placentale genannt. Sie ist zwar sehr gefährlich für Mutter und Kind, aber kommt äußerst selten vor. Die Häufigkeit beträgt weniger als 1 %. Um genau zu sein sogar nur 0,4 bis 0,8%. Was genau passiert nun bei einer Plazentaablösung. Wie der Name es schon vermuten lässt, löst sich die Plazenta von der Gebärmutterwand. Normalerweise passiert dies ja erst bei der Geburt des Kindes.

Was ist so schlimm an einer Plazentaablösung?

Das Problem besteht darum, dass die Plazenta dann nicht mehr mit der Mutter verbunden ist. Durch die Gebärmutterwand wird die Plazenta versorgt, welche dann ja wiederum das Baby versorgt. Bei einer vollständigen Ablösung der Plazenta, muss ein sofortiger Kaiserschnitt gemacht werden und das Kind geholt werden, da es ab diesem Moment nicht mehr durch die Plazenta versorgt wird.

Das ist dann der dramatische Fall. Nicht immer löst sich die Plazenta vollständig von der Gebärmutterwand. Ist sie nur teilweise gelöst, muss geschaut werden, ob die Plazenta das Kind noch ausreichend versorgt. Sollte dies der Fall sein, so muss die Mutter zwar im Krankenhaus Bettruhe einhalten und wird engmaschig kontrolliert, aber das Baby kann schön in seiner kleinen Bauchwohnung bleiben.

Doch wie kommt es nun zu einer vorzeitigen Plazentaablösung?

Gründe hierfür können beispielsweise Unfälle mit hoher Gewalteinwirkung auf den Bauch sein. Auch kann eine massive Mangelernährung, zu hoher Blutdruck oder auch eine zu kurze Nabelschnur ein Grund sein. Um es aber nochmals ausdrücklich zu sagen, diese Fälle sind sehr selten.

Das sind nun die Fälle, wo Madame Plazenta das Sagen hat. Doch nicht nur der Mutterkuchen kann sowas.  Es gibt da noch zwei andere Übeltäter die Blutungen verursachen können.

Kleine Verletzungen können auch bluten

Was war noch einmal der Grund warum jeder Mensch auf dieser Erde blutet? Ach ja, genau es waren Verletzungen. Welche Verletzung macht denn noch Blutungen in der Spätschwangerschaft? Da wäre beispielsweise die Uterusruptur. Sie bedeutet schlichtweg eine Verletzung der Gebärmutter an sich. Entweder sie hat einen Riss, also quasi ein Loch in der Gebärmutterwand oder eine sogenannte gedeckte Ruptur, was bedeutet eingerissen aber noch Loch. Da die Gebärmutter ein riesiger Muskel ist, blutet dies meist sehr stark. Denn vielleicht erinnert man sich noch an den Biologie Unterricht, als man irgendwann mal erklärt bekommen hat, dass Muskeln sehr gut durchblutet sind.

Wodurch entstehen denn solche Verletzungen an der Gebärmutter?

Nimmt der Knirps da drinnen etwa die Hütte auseinander? Nein, natürlich nicht. Er ist ja auch noch kein Rockstar. Die Ursachen können ein vorheriger Kaiserschnitt oder andere Operationen an der Gebärmutter. sein Klar, wo geschnitten wurde, da entsteht dann auch eine Narbe. Das Problem an einer Narbe ist, dass sie nicht so elastisch ist wie der Rest. Wenn sich also alles ausdehnt, weil der Zwerg Platz braucht, dann kann es sein, dass eine solche Narbe aufreißt. Warum passiert das erst so spät? Auch ganz klar. In den letzten Wochen der Schwangerschaft macht der Wurm die größten Wachstumsschübe. Vorher ist er ja mit Organbildung, Finger und Zehen und all dem Kram beschäftigt.

In der Spätschwangerschaft steht ja dann nur noch Wachstum und Lungenreife auf dem Plan. Um es korrekt zu halten, muss man natürlich noch erwähnen, dass die Gebärmutter natürlich auch durch Gewalteinwirkung Schaden nehmen kann. Aber auch hier wieder keine Sorge, denn die Gebärmutter ist ein sehr robustes Organ und geht nicht so schnell kaputt. Daher kommen solche Verletzungen auch nur bei einer von 1500 Schwangerschaften vor.

Zeichnungsblutung: Und ab geht die Post!

Nun gibt es noch einen Grund, welcher sowohl normal, als auch kritisch sein kann. Und zwar die Zeichnungsblutungen. Eigentlich sind das Blutungen, welche normal sind. Sie entstehen unmittelbar vor der Geburt. Die Ursache hier sind aber keine Verletzungen oder ähnliches. Während der Schwangerschaft setzt sich ein kleiner Blutpfropf vor den Muttermund und verschließt ihn. Wenn jetzt die Geburt bevorsteht und der Muttermund sich öffnet, so löst sich dieser Pfropf ab. Die Blutung ist nicht so stark wie eine Menstruationsblutung und muss auch ganz klar von anderen Blutungsursachen abgegrenzt werden. Oft folgen dann bald auch darauf die Wehen.

Kritisch wird es nur dann, wenn diese Blutung zu früh einsetzt, also weit vor dem eigentlichen Entbindungstermin. Denn wie erwähnt, kündigt diese Blutung eine bevorstehende Geburt an, so dass es zu einer Frühgeburt kommen kann. Um auch hier nicht direkt in Panik zu geraten, ist es sicherlich erwähnenswert, dass jedes Kind, das unter der vollendeten 37. Schwangerschaftswoche zur Welt kommt, ein Frühchen ist. Man darf aber nicht vergessen, dass die Reifung des Kindes, mit der 34.-35. Schwangerschaftswoche bereits abgeschlossen ist. Frühchen da denkt nämlich fast jeder an kleine 600 Gramm Kinder. Dies ist aber nicht immer der Fall. Frühgeburt ist ein großer Begriff. Auch können Zeichnungsblutungen durch eine gynäkologische Untersuchung verursacht werden, wodurch dann aber nicht direkt eine Frühgeburt droht. Ein weiterer Faktor kann eine Infektion sei.

Jetzt hast du die vier häufigsten Ursachen kennengelernt. Klar gibt es weitere, aber die sind bedeutend seltener. Halte dir nur stets eines vor Augen. Diese ganzen Blutungsursachen in der Spätschwangerschaft können gefährlich sein, müssen sie aber nicht und zudem sind sie wirklich äußerst selten. Wenn du dir bei irgendetwas unsicher sein solltest, einfach mit deinem Frauenarzt reden. Meist sind die Ängste unbegründet. Vergiss auch nie, dass dein Körper stark ist und viel aushalten kann, du brauchst dich also nicht im Bett zu verkriechen und bis zur Geburt die Horizontale pflegen. Auch das kleine zierliche Würmchen in dir ist weitaus robuster als du es annimmst. Das ist wie Glas. Sieht zerbrechlich aus, ist es aber nicht, denn es ist wie Plexiglas. Flexibel und nicht so gebrechlich wie es wirkt.